Chronik

Geschichtliche Ereignisse aus dem 12. und 13. Jahrhundert in Stichworten: Beruflicher Aufstieg des Konrad von Querfurt zum Reichskanzler (unter Heinrich VI.) und Bischof von Hildesheim und Würzburg.

1158
Zur Regierungszeit Kaiser Friedrich I. Barbarossa wurde Konrad von Querfurt, Sohn des Burggrafen von Magdeburg und dessen Ehefrau Mathilde, geb. von Tonna, um 1158 geboren.
In einer der besten Schulen des Deutschen Reiches in Hildesheim studierte er. Danach ging er nach Paris, um seine Ausbildung zu vervollständigen. Konrad verfügte über eine hohe Intelligenz und umfangreiches Wissen. Seine Kenntnisse in der lateinischen und griechischen Sprache waren profund.

1182
Beginn von Konrads beruflichem Aufstieg. Er wurde Domherr von Hildesheim.

1186
König Heinrich VI. heiratet in Mailand Konstanze, die Tochter Roger II. von Sizilien.

1188
Konrads Berufung an den Kaiserhof nach Aachen zum kaiserlichen Hofkaplan

1189
Kaiser Friedrich I. Barbarossa starb auf dem Kreuzzug.
Gleichzeitig starb auch König Wilhelm II. von Sizilien, der keine leiblichen Erben hatte.
Heinrich VI. und Konstanze können ihr sizilianischen Erbe aus politischen Gründen nicht übernehmen.

Historisches Bild

1191
Heinrich VI. wurde von Papst Coelestin III. zum Kaiser gekrönt.

1194
Richard Löwenherz, König von England, wurde auf dem Rückweg von einem Kreuzzug in Österreich gefangen genommen und an Heinrich VI. ausgeliefert.
England musste ein hohes Lösegeld an Heinrich VI. zahlen. Mit diesem Geld stellte Heinrich VI. ein großes Heer auf und nahm das Erbe von Konstanze von Sizilien, seiner Ehefrau, in Besitz.
Auf diesem Heerzug starb kurz vor Palermo Reichskanzler Sigelo, und Konrad von Querfurt wurde zum Reichskanzler ernannt.

1195
Konrad von Querfurt wird zum Bischof von Hildesheim gewählt.
Er war nun Bischof von Hildesheim und Reichskanzler des Deutschen Reiches.

1196
Konrad von Querfurt wird von Kaiser Heinrich VI. als Legat nach Italien befohlen. Zusammen mit Reichsmarschall Heinrich von Kalden und einem starken Heer befriedete und verwaltete er für seinen Kaiser Italien.
Außerdem hatte er den Auftrag, Vorräte anzusammeln und ein Heer aufzustellen für einen Kreuzzug.

1197
Am 1. September 1197 reisten Reichskanzler Konrad von Querfurt und Reichsmarschall von Kalden im Auftrag Kaiser Heinrich VI. mit einem gut ausgestatteten Heer per Schiff ins Heilige Land.
Nach zahlreichen Kämpfen und Siegen gegen die Ungläubigen trifft am 1. November 1197 die bestätigte Kunde vom Tod Kaiser Heinrich VI. ein. Zu diesem Zeitpunkt wurde die Stadt Toron belagert.

1198
Toron wurde länger belagert als vorgesehen war. Als die Stadt dann doch zur Übergabe bereit war, gab Reichskanzler Konrad von Querfurt plötzlich den Befehl zu Rückzug und Heimfahrt.
Er hatte erfahren, dass Papst Coelestin III. gestorben war und sein Nachfolger Lothar von Segni als Papst gewählt worden war. Er nahm den Namen Innozenz III. an.
Reichsmarschall von Kalden war nicht sehr erbaut von dem Befehl zur Heimkehr, dem er sich fügen mußte, da er und das Heer schon mit großer Kriegsbeute gerechnet hatten.

Konrad von Querfurt hatte andere Sorgen. Durch die Neubesetzung des Papststuhles mit Innozenz III. rechnete er mit Thronstreitigkeiten, da der Sohn des verstorbenen Heinrich VI., Friedrich II. erst drei Jahre alt war. Das Gespenst von Bürgerkrieg und Thronwirren wurde lebendig.

Am 5. März 1198, kurz vor seiner Abreise aus dem Heiligen Land, hat Konrad von Querfurt in Akkon das deutsche Hospital S. Maria zu Jerusalem zum Deutschen Ritterorden erhoben. Ein Orden, der den Johannitern und Templern gleichberechtigt war.
Konrad von Querfurt war während seines Kreuzzuges zusätzlich zum Bischof von Würzburg gewählt worden.
Mitte des Jahres 1198, als Konrad von Querfurt am Hof seines neuen Herrschers Philipp von Schwaben in Thüringen weilte, wurde er von Papst Innozenz aufgefordert, seinen zusätzlichen Bischofssitz Würzburg wieder abzugeben. Konrad von Querfurt weigerte sich jedoch.

1199
Am 28. Oktober 1199 wurde Konrad von Querfurt auf Grund seiner Weigerung von Papst Innozenz III. exkommuniziert, und es wurde der Bann ausgesprochen.

1200
Am 15. März 1200 hat Konrad von Querfurt erstmals auf seine Bischofstitel verzichtet. Dies geht aus einer Urkunde hervor, auf der er nur noch als Hofkanzler unterzeichnete.
Auf den Rat seines Königs hörend, reist Konrad von Querfurt schnell nach Italien und leistet Abbitte bei Papst Innozenz III.
Als Bischof von Würzburg kehrt er zurück, nachdem der Papst ihm Absolution erteilt hatte.
Als Konrad von Querfurt sich wieder seiner Kanzlertättigkeit zuwenden konnte, war das eingetreten, was er befürchtet hatte. Die Thronstreitigkeiten waren in vollem Gange. Philipp von Schwaben, ein Bruder Heinrich VI., wollte die Regierungsgeschäfte seines Bruders fortführen. Dies wurde von dem Welfenkönig Otto IV., der ein Sohn Heinrichs des Löwen und Neffe des englischen Königs Richard Löwenherz war, angefochten. Philipp belagerte das welfische Braunschweig, kann aber nicht siegen und gibt auf. Otto IV., der mit Geldmitteln aus England unterstützt wurde, kann auch nicht siegen, weil die Geldmittel aus England plötzlich ausbleiben. Papst Innozenz III. mischt bei diesen Streitigkeiten durch Parteinahme zu Gunsten Ottos IV. kräftig mit. Im Rahmen der Territorialpolitik Konrads wurde die Stadt Karlstadt am Main im Jahr 1200 gegründet.

Vermutlich wurde durch den Einfluss Konrad von Querfurts die Stadt nach süditalienischem Vorbild geplant, Der Grundriss von Karlstadt wurde schachbrettartig angelegt. Von der Hauptstraße laufen Querstraßen aus, die eine Art Gittermuster von nahezu gleichem Ausmaß bilden. Ein System, wie es dann in der späteren Stauferzeit unter dem Kaiser Friedrich II. (Sohn von Heinrich VI.) öfter gehandhabt wurde.
Konrad von Querfurt befestigte den Marienberg in Würzburg. Damit setzt der hochmittelalterliche Ausbau der Feste Marienberg ein. Hier spielte die normannische Baukunst eine große Rolle.
Konrads Schultheiß Eckard wurde auf seinem Hof wegen privater Streitigkeiten mit den Ravensburgern von diesen erschlagen. Sie glaubten, straffrei davonzukommen, weil sie verwandtschaftliche Bande zu Reichsmarschall Heinrich von Kalden hatten. Doch Bischof Konrad von Querfurt bestrafte die Ravensburger für diese Tat mit der Zerstörung ihres Würzburger Hofes und ließ ihnen eine hohe Schuldabgabe aufbürden.

1202
König Philipp von Schwaben wurde seinem Kanzler, Konrad von Querfurt, gegenüber mißtrauisch, da dieser so schnell wieder sein Bischofsamt Würzburg von Papst Innozenz erhalten hatte. Heinrich von Kalden schürte dieses Mißtrauen gegen Konrad, weil dieser seine Verwandtschaft hart bestraft hatte.
Konrad von Querfurt zog sich aus der großen Politik zurück.

Konrads Personalpolitik und Verwaltungstätigkeit zeugt von seinem großen Scharfsinn und seinem organisatorischen Talent. Seine Ermordung 1202 und einige Ungereimtheiten in seinem Verhalten ließen seine Genialität und Wichtigkeit nicht ins rechte Licht kommen.